JuAr Basel wird 75 – Jugendarbeit für Generationen

 

Als die Jugendarbeit Basel, damals hiess unsere Organisation noch Basler Freizeitaktion (BFA), 1942 gegründet wurde, waren die gesellschaftlichen Realitäten ganz anders als heute. Seither hat sich die Stellung der Jugend in der Gesellschaft massiv verändert. Unsere Organisation ist immer sensibel, neugierig und kritisch mit Veränderungen umgegangen, hat ihnen zugleich Rechnung getragen. Deshalb gibt es uns noch!

 

Von Christian Platz, Präsident JuAr Basel

 

 

1942 stand die Welt am Abgrund. Der Zweite Weltkrieg erschütterte unseren blauen Planeten, eine apokalyptische Zeit der Gewalt, des Todes, der Verzweiflung hielt die Menschheit in ihrem eisernen Griff. Die Zukunft war ungewiss.

 

Auch hier regierte die Angst

 

Die Schweiz war kein Kriegsschauplatz, diesbezüglich ging es ihr viel besser als ihren unmittelbaren Nachbarländern. Doch auch hier regierte die Angst, auch hier waren Lebensmittel rationiert, auch hier standen die erwachsenen Männer in militärischem Einsatz. Jederzeit musste damit gerechnet werden, dass die Gewalt auch in unser Land einbrechen würde. Für die Anliegen junger Menschen gab es wenig Raum, es blieben nur die Träume von einem besseren Leben.

 

Und genau in dieser Zeit wurde die Basler Freizeitaktion gegründet, von Menschen, am Anfang waren es ausschliesslich Männer, die sich Sorgen um die Jugend machten und sich deshalb gesellschaftlich und politisch engagierten. Man nannte sie damals «Jugendfreunde».

 

Ihre Sorge galt vor allem der «unorganisierten Jugend», wie man damals zu sagen pflegte. Jenen Jugendlichen also, die weder bei den Pfadfindern, noch in einer kirchlichen Jugendorganisation mitmachten. Dabei handelte es sich vor allem um die Arbeiterjugend. Die «Jugendfreunde» machten sich Sorgen um deren Entwicklung und wollten ihnen sinnvolle Freizeitbeschäftigungen bieten.

 

Die Gedanken der Gründergeneration

 

Dies waren die Gedanken der Gründergeneration. Es entstanden Werkstätten mit Webstühlen für junge Frauen und Mädchen, Radiobastelstuben für junge Männer und «Wärmestuben», die im Winter zum angenehmen Verweilen einluden. Zudem organisierte die BFA Ausflüge und Ferienlager zu sehr günstigen Preisen. So haben die Angebote in den Anfängen unserer Organisation ausgesehen.

 

Nach dem Krieg taute die Gesellschaft langsam wieder auf, die Angst sass den Menschen noch in den Knochen. Der Wiederaufbau begann. Ab Mitte der 1950iger Jahre veränderte sich die Situation der Jugend komplett. Neue Kulturformen kamen aus den USA zu uns, die afroamerikanische Musik, Jazz, Blues und alsbald auch der Rock’n’Roll, Filme, moderne Literatur und Kunstformen, wie man sie vorher in der Schweiz kaum gekannt hatte.

 

Sorgen

 

Nebst abenteuerlichen Erwachsenen, die von ihren Zeitgenossinnen und –genossen etwas schief angeschaut und als exzentrische Naturen eingeschätzt wurden, waren es vor allem die jungen Menschen, die diese Kulturformen gierig aufsogen – und sie zu den ihren machten. Dies bereitete den Jugendarbeitenden jener Zeit zunächst mal vor allem eins: Sorgen.

 

Sie reagierten auf diese neuen Formen zunächst einmal mit Gegenprogrammen, wollten Räume schaffen, die frei von diesen «Verlockungen» waren, sie wollten die Jugend beschützen.

 

Doch nach und nach schlichen sich die neuen Kulturformen ins Programm der Jugendarbeit ein. Sonst wäre ja niemand mehr in die Angebote der Basler Freizeitaktion gekommen. Doch die Kulturdiskussion blieb eine Reibungsfläche, bis in die frühen 1980iger Jahre hinein.

 

 

Die Halbstarken, die Rocker, die Freaks, die Punks

 

Unsere Organisation hat sich, gemeinsam mit der Erwachsenenwelt der jeweiligen Epoche,  am Jazz und am Rock’n’Roll gerieben, an den Jugendrevolten der Swinging Sixties und der Eighties, an den Halbstarken, den Rockern, den Hippies, den Freaks, den Punks. Sie hat sich jedoch auch immer – im Gegensatz zu grossen Teilen der Erwachsenenwelt – mit diesen gesellschaftlichen und kulturellen Phänomenen auseinandergesetzt. Und zwar ganz direkt, im Alltag. Dabei hat sie Teile dieser Jugendkulturen direkt in ihre Angebote integriert. Teilweise etwas zögerlich, teilweise rasch und selbstbewusst.

 

Doch immer reflektiert und nie ohne eine sorgfältige Auseinandersetzung mit den Themen und Inhalten, welche die Jugendlichen gerade beschäftigten.

 

Und eigentlich ist dies die Grundqualität, die sich bis heute durch unsere professionelle, mit dem Verlauf der Jahrzehnte auch immer stärker professionalisierte, Offene Jugendarbeit zieht.

 

Abgrenzung wird immer schwieriger

 

Natürlich leben wir heute in einem komplett anderen Umfeld. Es wird für junge Menschen immer schwieriger, sich Kulturfelder zu erobern, die sich von jenen der Erwachsenenwelt abgrenzen. Die Provokationen der Vergangenheit sind zu professionell vermarkteten Genres geworden, die marketingtechnisch ausdifferenzierte Kundschaften bedienen. Junge und alte.

 

Gleichzeitig sind die Computer und die Entwicklungen der IT mit Macht und grossem Tempo in unser kollektives Leben gekommen. Dinge, die noch Ende der 1980iger Jahre in der Science-Fiction-Ecke beheimatet waren. Heute ist jeder nur denkbare Inhalt innert Sekunden abrufbar. Weltweit. Und natürlich schwimmen die Jungen wie Fische in diesem digitalen Ozean, während viele Erwachsene diesen Entwicklungen kritisch gegenüberstehen, vor allem jenen Inhalten, die von Jugendlichen konsumiert werden.

 


Kritische Auseinandersetzung

 

Doch die Jugendarbeit hat in all den Jahrzehnten gelernt. Es geht heute nicht mehr um das ritterliche Beschützen junger Menschen (obwohl Elemente davon übriggeblieben sind). Vielmehr geht es um reflektiertes, kritisches Begleiten, es geht um das Vermitteln von Haltungen, um die intensive, offene aber kritische Auseinandersetzung mit unserer komplexen Welt. In diesem Sinne hat sich die Jugendarbeit verändert. Und weil sie sich verändert hat, ist sie uns erhalten geblieben.

 

Jubiläumsfeiern 2017

 

Wir werden unser 75. Jubiläum dieses Jahr gebührend feiern. In vielen unserer Einrichtungen, mit ganz verschiedenen Anlässen – entsprechend der Vielfalt unserer Angebote. Höhepunkte werden sicher das „Pärkli Jam“-Festival vom 23. bis 25. Juni im St. Johanns-Park und natürlich die zentrale