Vergrösserung des Jugi Eglisee – ein Kunstprojekt ist die grosse Chance

Seit Jahren möchten wir unserem Angebot beim Eglisee zusätzlichen Raum geben. Der Barackenbau ist einfach zu klein geworden, um den steigenden Besucherzahlen Rechnung zu tragen. Nun ist die ganz grosse Chance gekommen. Das Kunstprojekt «Es war einmal beim Kunstmuseum» hat sich mit einem grossartigen Vorschlag bei JuAr Basel gemeldet.

 

1982 wurde das Jugendzentrum im Eglisee von der BFA, wie JuAr Basel damals geheissen hat, eröffnet. Dies nach langer Planungs- und Verhandlungsphase. Von Anfang an war das Angebot in einer charmanten Holzbaracke untergebracht, die leider recht kleine Räume bietet. Bei seiner Eröffnung war das Angebot übrigens erste der zweite offene Quartier-Jugendtreff in Basel, in seinem Einzugsgebiet bleibt er das einzige derartige Zentrum für Jugendliche auf weiter Flur.

 

Viele Teams haben in seinen Wänden inzwischen gewirkt. Durch Kreativität, optimale Angebotsgestaltung, innovative Ansätze ist es den Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern hier immer gelungen, das Jugi zu einem attraktiven Ort zu machen, einer sehr kleinen Hülle, die ihren jungen Besucherinnen und Besuchern allerdings viel zu bieten hat. Heute ist es fest im Quartier verankert, bestens in seinem Umfeld vernetzt, als familiäres Jugendzentrum mit guter Atmosphäre, das alle Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 20 Jahren willkommen heisst.

 

 

Von 3000 zu 5000 Nutzungen

 

Durch den guten Ruf und das attraktive Angebot des Jugendzentrums haben seine Besucherzahlen in den letzten Jahren markant zugenommen. Viele Jahre lagen sie bei 3000 Kontakten, nun sind es an die 5000, Tendenz steigend. Diesen vielen Besucherinnen und Besuchern, die aus ganz verschiedenen sozialen und kulturellen Welten, aus unterschiedlichen Altersgruppen zu uns kommen, bietet die Baracke gerade mal einen Hauptraum mit 85 Quadratmetern und einen Nebenraum im Miniaturformat.

 

Die Besucherinnen und Besucher kamen und kommen übrigens zu grossen Teilen aus dem ausgedehnten Hirzbrunnen-Quartier. Allerdings haben der Ausbau des Schoren-Quartiers und der benachbarten Schulstandorte die Frequenzen erhöht. Dazu kommt eine neue Entwicklung: Jugendliche aus angrenzenden Kleinbasler Quartieren haben das Jugi Eglisee entdeckt, als Alternative zum Jugendzentrum Dreirosen, dem zur Zeit einzigen weiteren Angebot im minderen Basel, das gnadenlos überfrequentiert ist. Ein weiterer Faktor sind die längeren Öffnungszeiten, die das Haus seit einiger Zeit anbietet, als Reaktion auf die Schulreform und gemäss den Wünschen des Erziehungsdepartements. Sie haben den Andrang noch vergrössert und die Diversität des Publikums erweitert. Dabei wird das Problem, dass der Bau keine Rückzugsräume bietet, immer auffälliger. Zum Vergleich: alle Quartierangebote von JuAr Basel, die nach dem Jahr 2000 eröffnet wurden, verfügen über vier oder fünf Räume.

 

Erlösung durch Kunst

 

Die Diskussion um einen Ausbau der – oder eine alternative Lösung zur – Holzbaracke wurde hier in den letzten Jahren deshalb zu einem Leitmotiv. Das Team vor Ort, die Geschäftsführung und der Vorstand von JuAr Basel haben sich immer wieder damit beschäftigt. Das Problem wurde immer dringlicher, lange Zeit zeigte sich am Horizont kein Silberstreifen...

 

Bis vor kurzem. Diese Woche wurde beim Picassoplatz das grossartige Kunstprojekt «Es war einmal beim Kunstmuseum» eröffnet. Seine zentrale Komponente ist eine Nachbildung des «Gassenzimmers», das vor 25 Jahren hier gestanden hat. Einem Ort der Gnade für schwer drogenabhängige Menschen, die sich dort unter hygienischen Bedingungen Heroin injizieren konnten und einen Rückzugsort hatten, von jener harten offenen Drogenszene in der Stadt, die damals ein massives Politikum und eine humanitäre Katastrophe darstellte. Das Kunstprojekt von Pascal Trudon ist ein Mahnmal, das an diese tragischen Zustände erinnert. Die Replika des Gassenzimmers enthält eine Installation, bei der beeindruckende Porträts der Junkies, die Trudon 1992/1993 fotografiert hat, die Hauptrolle spielen. Der Nachbau des Gassenzimmers wurde von der Basler Architektin Martina Kausch gemacht.

 

Der Vorstand sagte ja

 

Und diese Martina Kausch sass dann plötzlich in einer Vorstandssitzung von JuAr Basel. Die Macherinnen und Macher des Kunstprojekts waren nämlich auf uns zugekommen und hatten uns ihr Gebäude, das ja lediglich für die Dauer des Kunstprojekts benötigt wird, angeboten, als Vergrösserung für das Jugendhaus Eglisee. Dieses Angebot löste bei JuAr Basel grosse Begeisterung aus, aber auch einen wahren Sturm an Aktivitäten. Vorabklärungen, Kostenplanung, Sitzungen, Diskussionen mit Behörden und Ämtern. Als Frau Kausch das Projekt dem Vorstand vorstellte, wurde schnell klar, dass diese Chance genutzt werden muss. Es blieb ein überschaubares finanzielles Risiko, doch gleichzeitig war allen klar, dass wir so günstig wohl nie mehr zu einer derart guten Lösung kommen würden. Der Vorstand sagte ja.

 

Schnell wurden Gespräche mit der Allmendverwaltung aufgenommen, die sich als sehr produktiv erwiesen, im Eiltempo wurden Stiftungen avisiert, mit einer umfassenden Dokumentation des Projekts. Nun läuft das Baugesuch. Im Idealfall wird der zusätzliche Pavillon beim Eglisee noch diesen Winter aufgebaut. Wenn nicht alle Stricke reissen, haben wir und die Jugendlichen im Hirzbrunnen nun endlich eine Lösung. Drücken Sie uns doch bitte die Daumen.