Professionelle Offene Jugendarbeit von hoher Qualität hat auch ihren Preis


Alle vier Jahre verhandelt JuAr Basel mit dem Erziehungsdepartement unserer Stadt um Subventionen. Momentan stecken wir mitten in den Vorbereitungen hierzu. Verhandelt wird nächstes Jahr, Gegenstand sind die Subventionen für die Jahre 2020 bis 2023. Diese Vorbereitung gestaltet sich intensiv – in zunehmendem Mass. Die komplexen Vorgaben, die wir erfüllen, die ausführlichen Nachweise, die wir erbringen, die verzwickten Budgeterstellungen, die wir liefern müssen, beschäftigen, ja absorbieren Geschäftsführung, Stab und Vorstandsmitglieder unserer Organisation für Tage und Stunden. Die Realität ist aber, dass wir am Ende froh sein können, wenn man uns keine Mittel kürzt. Dabei haben wir angestauten Mehrbedarf, dies für die Erfüllung von Aufgaben, die eigentlich zu den öffentlichen Aufgaben gehören. Wir erfüllen sie im Auftrag der Stadt. Zu viel günstigeren Bedingungen, als es staatlichen Organisationen möglich wäre. JuAr Basel geniesst national einen hervorragenden Ruf in Fachkreisen, auch Fachleute aus dem Ausland, die unsere Organisation besuchen und sich darüber informieren, attestieren uns regelmässig eine sehr hohe Qualität. Doch unser Kampf um finanzielle Mittel hört nie auf, obwohl wir sehr kosteneffektiv arbeiten.

Sonderleistungen

Wenn wir zum Beispiel den Treuhänder Kandid Ganter und den Anwalt Nikolai Iwangoff nicht als engagierte Mitstreiter im Vorstand hätten, wären wir, angesichts der Komplexität der Verhandlungen und des Materials, das wir liefern müssen, ziemlich aufgeschmissen. Alleine für die Kostenträgerrechnung, die inzwischen vom Erziehungsdepartement von uns verlangt werden muss, hat Ganter unzählige Stunden aufgewendet. Ohne diese Arbeit auf professionellem Fachniveau, geleistet von einem Vereinvorstandsmitglied, hätten wir die Rechnung nicht fristgemäss abliefern können. Wir müssen zudem immer wieder in Verhandlungen bestehen, bei denen die fachliche Hilfe von Vorstandsmitgliedern unerlässlich ist, sei es bei rechtlichen, konzeptionellen, politischen Fragen. Zum Glück hat JuAr Basel zur Zeit ein Vorstandsgremium, dessen Mitglieder zu solchen Sonderleistungen in der Lage sind. Dafür sind wir dankbar.

Kette von Zwängen

Gleichzeitig wird unsere hervorragende Geschäftsführung, deren verantwortungsintensive Hauptarbeit eigentlich die Führung von 18 Angeboten der Offenen Jugendarbeit in Basel ist, die Jahr für Jahr für Abertausende von jugendlichen Besucherinnen und Besuchern da sind, durch diese Verhandlungen und das Erstellen der dafür notwendigen Unterlagen massiv gefordert, bis an die Grenzen des Machbaren. Das Gleiche gilt für unseren kleinen, aber engagierten Stab. Der Einsatz unendlich vieler bezahlter Stunden für Verhandlungen mit dem Erziehungsdepartement – und zur Befriedigung stets zunehmender amtlicher Kontrollzwänge – ist am Ende alles andere als günstig, in der Tat löst er das Gegenteil von Sparen aus. Denn es handelt sich ja um Stunden, die wir eigentlich für unser Haupttätigkeitsfeld einsetzen sollten, für die Jugendarbeit eben – in der besten aller Welten wäre das so, aber die bleibt bekanntlich unerreichbar.

Es ist uns schon klar, dass wir bloss ein Glied in einer Kette von Zwängen darstellen, die aus komplexem politischem Material geschmiedet ist.

Eigentlich eine öffentliche Aufgabe

Wir wissen jedoch auch, dass unsere Arbeit für die Jugend dieser Stadt eine unverzichtbare Notwendigkeit darstellt, dass sie gute Früchte trägt – und dass wir diese Arbeit, die durchaus eine öffentliche Aufgabe darstellt, weitaus günstiger machen, als es staatliche Organisationen könnten. Unsere Löhne, unsere Sozialleistungen, unser Personalaufwand für die notwendigen Leistungen, lassen sich mit jenen, die bei der Stadt üblich sind, keinesfalls vergleichen. Damit können wir uns abfinden. Aber wir müssen darauf pochen, dass sich auch bei uns über die Jahre hinweg Mehrkosten anstauen, sowohl im Personalbereich, als auch für neue Projekte.

Es handelt sich dabei um Mittel, die wir brauchen, wenn wir ein attraktiver Arbeitgeber bleiben wollen, für unsere fachlich und menschlich hochqualifizierten und überaus engagierten Mitarbeitenden, Mittel, die wir brauchen, um den – sich stetig wandelnden – Bedürfnissen unserer Kundschaft entsprechen zu können: der Basler Jugend. Darunter sind übrigens, um es wieder einmal zu erwähnen, sehr viele Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen oder benachteiligten Familien, die von unseren Leuten sehr viel Einsatz verlangen – und oft keine anderen Ansprechpartner für ihre Freuden, Sorgen und (oft genug drückenden) Nöte haben.

Engagierte Mitarbeitende, schlanker Overhead

Wir haben unter unseren Mitarbeitenden einen sehr guten Altersmix, wir haben ältere erfahrene Leute an Bord, Menschen mit Familie, dazu kommen Berufsleute im besten Alter, die nach und nach mehr Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig sorgen bei der JuAr Basel jährlich mehr als 30 Leute in Ausbildung für zusätzliche Dynamik – dies stellt für uns eine Verpflichtung dar, um unseren Nachwuchs zu sichern. Unser Stab und unser Overhead – Leute also, die sich um die notwendigen Management- und Betriebsaufgaben kümmern – sind, angesichts der anfallenden Aufgaben, die stetig wachsen, überaus schlank. Trotzdem sollte es klar sein, dass auch bei uns die Personalkosten wie überall stetig steigen. Jugendarbeit, das zeigen Studien aus Deutschland, hat sich als Profession etabliert, Berufsleute werden darin oftmals auch alt. Und das ist durchaus gut so! Das heisst aber auch, wir müssen Löhne über die Jahre erhöhen, wir müssen Kinderzulagen und steigende Sozialkosten übernehmen – und, wenn wir bei gleicher Qualität weiterarbeiten sollen, müssen sich unsere Subventionen entsprechend erhöhen.

Essenzielle Funktionen

Wir übernehmen in dieser Stadt essenzielle Funktionen für Jugendliche, die andere nicht übernehmen. Und – diese Bemerkung sei erlaubt – die Einführung von Tagesstrukturen durch das Erziehungsdepartement, hat den Zulauf zu unseren Angeboten keineswegs gebremst, vielmehr ist er noch stärker geworden.

Subventionen sind natürlich nicht der einzige Treibstoff im Tank von JuAr Basel. Zumal unsere Arbeit auch immer wieder eine Entdeckungsreise ist. Wir stossen regelmässig auf neue Felder, neue dringende Bedürfnisse von Jugendlichen, auf die wir eine Antwort geben müssen. Etwa in der Mädchenarbeit oder im Rahmen unserer Arbeit für die so genannten Lückenkinder, die uns immer mehr zuströmen, für ganz junge Teenager also, die keine Kinder mehr sind, aber auch noch nicht wirklich Jugendliche. Diese Gruppe hat heutzutage ganz andere Verhaltensweisen, Lebensbedingungen und Anliegen, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Diesem Umstand müssen wir Rechnung tragen.

Jugendarbeit darf nicht stillstehen

Jugendarbeit darf nicht stillstehen, aus unserer Arbeit müssen wir Projekte entwickeln, auf Phänomene reagieren, das kostet letztlich viele Arbeitsstunden – aber halt auch Geld. Wunderbar ist, dass wir viele Stiftungen an unserer Seite haben, die uns immer wieder Mittel für Pilotprojekte, für Entwicklungsarbeiten zur Verfügung stellen. Wenn sich dann allerdings feste Angebote daraus formen, wird es schwierig.

Fünf Prozent

Am Anfang jeder Verhandlungsphase werden wir darüber informiert, dass wir – egal wie solide wir unseren Mehrbedarf ausweisen können – höchstens die gleichen Subventionen erhalten, wie in den vier Jahren vorher. Gleichzeitig liegt es aber in der blossen Betriebslogik, dass sich unsere Kosten moderat erhöhen – und es eng wird, wenn die Subventionen einfach gleich bleiben, in Sachen Qualität der Basler Jugendarbeit. Wenn wir für die Jahre 2020 bis 2023 nur fünf Prozent mehr Mittel hätten, wäre fast alles in Ordnung. Sonst müssen wir den Gürtel enger schnallen – und dies wird vor allem eine Gruppe spüren, eine sehr sympathische Gruppe, die in den letzten Jahren deutlich weniger Probleme auslöste, als dies früher der Fall war, in Zeiten, bevor die Offene Jugendarbeit ihr heutiges professionelles Niveau erreicht hat: Die Basler Jugend.

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