Mission Friede für die Dreirosenanlage


Es ist inzwischen stadtbekannt, dass auf der Dreirosenanlage hochproblematische Zustände herrschen, welche unsere Jugendarbeit im Kopf der Brücke beeinträchtigen, ja letztlich sogar gefährden. Dabei geht es um ein grosses, vielschichtiges Jugendzentrum, das extrem stark genutzt wird, das für viele junge Menschen ein zweites Zuhause darstellt. Und um die einzigartige Freizeithalle, in der sich alle Altersgruppen treffen – vor allem kleine Kinder dürfen sich hier täglich austoben. Im Oktober und November haben verschiedene Aktionen, teilweise von JuAr Basel angestossen, dafür gesorgt, dass dieses Problem – im Sinne eines Weckrufs – an die Politik und an die breitere Öffentlichkeit getragen werden konnte.

Von Christian Platz, Präsident JuAr Basel

Probleme, Träume, Lösungen

Das kleinStadtgespräch in der Bahnkantine war sehr gut besucht. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Organisationen, Parteien, Behörden und Nutzergruppen der Dreirosenanlage waren der Einladung des Quartiersekretariats Kleinbasel gefolgt, das Thema hatte es auch in sich: «Nutzungsdruck mischt Dreirosenanlage» auf. Moderiert wurde es von der Basler Journalistin Martina Rutschmann, auf die Beine gestellt von Theres Wernli, der Co-Leiterin des Stadteilsekretariats. Das Gespräch wurde von Martina Rutschmann in drei Phasen eingeteilt, am Anfang sollten die Probleme und verschiedenen Ansichten auf den Tisch gebracht werden, danach dürfe das Publikum Wünsche und Träume bezüglich der Dreirosenanlage formulieren – und am Schluss würden dann konkrete Lösungsvorschläge auf den Tisch kommen.

Beizenbestuhlung

Die Veranstaltung war keine typische Podiumsdiskussion, es gab keine Diskussionsrunde an einem zentralen Tisch, vielmehr war Beizenbestuhlung angesagt, die geladenen Gäste sassen einfach an verschiedenen Tischen, Namensschilder vor sich. So kam es nicht zu einer Funktionsteilung zwischen Publikum und Podium, sondern zu einer offenen Gesprächssituation, an der dann auch Dutzende der Anwesenden rege teilnahmen. Alle konnten jederzeit eines der beiden kursierenden Mikrophone zu sich bestellen. Marc Moresi, Leiter der Freizeithalle Dreirosen und Albrecht Schönbucher, Geschäftsführer von JuAr Basel agierten als Stimmen unserer Organisation. Sie schilderten zu Anfang die schier unerträglichen Zustände, die in der Anlage herrschen, klar, trocken, sachlich.

Die Gravität der Probleme

Darauf folgten unterschiedliche Reaktionen, es zeigte sich, dass bei den Leuten, die regelmässig vor Ort sind, nicht viel Erklärungsbedarf besteht. Es wurde aber auch klar, dass andere, die eher von aussen auf die Zustände schauen, die Gravität der Probleme vor diesem Abend noch nicht so ganz begriffen hatten. Obwohl Martina Rutschmann den Anlass gekonnt und sympathisch moderierte, klappte das mit dem Träumen und den Lösungen nicht so richtig. Es waren die Probleme, die den Ton bis zum Ende der Veranstaltung bestimmten.

«Ist das Euer Ernst»

Und am Ende war es ein Offener Brief von JuAr Basel, den wir an alle Gäste verteilten, der Anlass zu heftigen Diskussionen gab. Dieses Schreiben, das am nächsten Tag an die Regierung der Stadt, verschiedene Organisationen und alle regionalen Medien verschickt wurde, war ein Resultat verschiedener Sitzungen, an denen Mitarbeitende des Freizeitzentrums Dreirosen mit Jugendzentrum und Freizeithalle, die Geschäftsführung sowie mehrere Vorstandsmitglieder von JuAr Basel beteiligt waren. Jeder Satz wurde dabei sorgfältig abgewogen und eingehend diskutiert. In diesem Schreiben schilderten wir die Zustände, die auf der Anlage herrschen, den Drogenhandel, die Gewalt, die sexuellen Belästigungen und die berechtigten Ängste, die durch dies alles bei unseren Mitarbeitenden – sowie bei Kindern, Jugendlichen, Eltern – ausgelöst werden. Danach stellten wir unmissverständlich klar, dass wir auch die problematische Situation vieler der verlorenen Menschen kennen, die in der Anlage herumhängen und die Probleme generieren, dass wir froh wären, wenn auch für diese Gruppen gute Angebote geschaffen würden.

Wir forderten und fordern eine «Respektzone»

Wir forderten aber auch eine «Respektzone» unmittelbar um das Zentrum herum sowie um die Spiel- und Sportgelegenheiten auf dem Platz. Und – jawohl – wir forderten und fordern, dass Leute, die hier besonders negativ auffallen, weggewiesen werden können. Letzteres kam bei einigen der SP-Vertreter/innen im Raum zunächst gar nicht gut an. «Ist das Euer Ernst?», hiess es mehrfach. Angesichts der Heftigkeit der Vorfälle und der Bedrohungslage vor Ort, haben wir unsere Forderung allerdings verteidigt, verteidigen sie weiterhin und wehren uns dagegen, deswegen in eine repressive politische Ecke gestellt zu werden. Denn JuAr Basel ist genau das Gegenteil davon, unsere Angebote sind für alle jungen Menschen offen, die hier leben, egal, welchen kulturellen Hintergrund sie haben – und sie werden auch von allen gerne genutzt, jahraus, jahrein. Doch das extrem asoziale und destruktive Verhalten einiger Nutzergruppen der Anlage in unmittelbarer Sichtweite, nur durch eine Glasscheibe abgetrennt von spielenden Kindern, können wir einfach nicht mehr hinnehmen. Im Moment ist es leider so, dass viele, die auf unser Angebot angewiesen wären, davon ausgeschlossen sind, weil sie sich nicht mehr hierher trauen oder ihre Eltern es ihnen verbieten. Unsere Leute haben weiss Gott endlos mit diesen Gruppen geredet, diskutiert, haben – wenn nötig – interveniert, seit Jahren, arbeiten natürlich mit allen zuständigen Behörden zusammen, welche die Probleme und unser unermüdliches Engagement übrigens alle anerkennen.

Gewaltvorfälle während Medienterminen

Immerhin, einige Tage danach meldete sich eine der SP-Grossrätinnen bei uns, um uns mitzuteilen, dass sie unsere Anliegen mit einer Interpellation unterstützen würde, aus der Presse erfuhren wir sodann, dass der Regierungsrat die Problematik ernst nehme – und dann rollte die Medienwelle an. Wir hatten Reporterinnen und Reporter aller lokalen und einiger nationalen Medien vor Ort, in zwei Fällen kam es während dieser Recherchetermine zu Gewaltvorfällen in der Anlage. Das Thema war nun lanciert – und wir von JuAr Basel werden dranbleiben, weil uns nichts anderes übrig bleibt.

«Friedenstag»

Am 22. November haben wir in der Dreirosenanlage dann einen Friedenstag auf die Beine gestellt, mit Spiel und Sport, Unterhaltung und Gratisessen, einer Kundgebung und einer Ballonaktion für Kinder. Im Vorfeld kam es kurz zu Misstönen. Aus den Medien hatten wir erfahren, dass eine Linksaussen-Gruppe auf den sozialen Medien zu einer Gegenkundgebung aufrufe und unsere Friedensaktion in deren Augen bloss eine Tarnung für repressive Massnahmen sei. Angesichts der hässlichen nackten Tatsachen, die auf der Anlage fast täglich für Unruhe sorgen, denen unsere Leute und Nutzer/innen permanent ausgesetzt sind, konnten wir darüber nur die Köpfe schütteln. Der Aktionsnachmittag war dann auch friedlich und angenehm, mit den Gegendemonstranten sind wir problemlos ins Gespräch gekommen, aber auch mit vielen Menschen aus dem Quartier, die uns ihre Sympathien bekundeten. Nach einer kurzen Ansprache von Albrecht Schönbucher stiegen die Ballons dem Himmel über Basel entgegen, begleitet von unseren sehnlichen Wünschen nach mehr Frieden in der Anlage. Mögen sie erfüllt werden.

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