JuAr Basel und die Pandemie: Das Reale herunterfahren, weiter in den virtuellen Raum vordringen

 

Als die Schulen geschlossen wurden, fragten wir uns bei JuAr Basel, was denn nun mit unseren Angeboten passieren würde. Die ersten Botschaften waren widersprüchlich. Zunächst war von einem Minimalbetrieb die Rede, was Fragen ohne Ende aufgeworfen hat, dann kam die Schliessung, was in diesem Moment erlösend war. Unsere Mitarbeitenden und unsere Geschäftsführung haben sich angesichts der Krise sehr besonnen verhalten. In unserer Zentrale im Waisenhaus sowie in jedem einzelnen Angebot mussten sehr schnell solide Entscheidungen getroffen und eine unendliche Flut an Details musste geregelt werden. Inzwischen hat sich die Präsenz unserer Angebote im virtuellen Raum – wo wir ohnehin bereits gut verankert sind, schliesslich besteht unsere junge Kundschaft aus Mitgliedern einer digitalen Generation – erweitert. Den Umständen entsprechend sind wir gut aufgestellt. 

 

Von Christian Platz, Präsident JuAr Basel

 

 

Intensives Krisenmanagement

 

Ja, am Anfang sind bei JuAr Basel alle Drähte heiss gelaufen – intensives Krisenmanagement war angesagt. Praktisch rund um die Uhr wurde telefoniert, wurden Entscheidungen getroffen, erste Ideen für die Weiterarbeit auf dem digitalen Feld keimten. Zunächst galt es, die grundsätzlichen Regelungen zu treffen. Dabei standen Themen wie Arbeitsgestaltung, Zeiterfassung, Home Office, Kurzarbeitsanträge im Zentrum. Dabei haben alle am gleichen Strang gezogen, die internen sozialen Fragen konnten schnell geregelt werden, das Personal von JuAr Basel muss sich keine grösseren Sorgen machen. Die Geschäftsführung erhielt von den Mitarbeitenden erfreulicherweise viele positive Rückmeldungen. Eng kooperiert hat JuAr Basel – bezüglich dieser grundlegenden Fragen – mit dem Erziehungsdepartement und allen anderen relevanten Partnerinstitutionen. Im fachlichen Bereich hat unsere gute Vernetzung mit regionalen und nationalen Partnerorganisationen gute Früchte getragen.

 

Virtuelle Jugendarbeit

 

Schon bald war klar, dass die Jugendapp, an deren Entwicklung und Realisierung JuAr Basel – zusammen mit vielen Partnern – massgeblich beteiligt war, eine der wichtigen digitalen Plattformen unserer Arbeit während der Krise sein kann, wenn wir sie entsprechend, gemeinsam mit jungen Menschen, weiterentwickeln. Alsbald wurden erste Videokonferenzen zur digitalen Jugendarbeit abgehalten, an denen – nebst unseren Mitarbeitenden – auch junge Leute aus unseren Zielgruppen beteiligt waren. Dabei wurden kreative Ideen gesponnen und es wurden die Grundlagen für unsere Arbeit in der Zeit der Quarantäne gelegt. Unsere Zentrale im Waisenhaus bleibt natürlich besetzt. Die Mitarbeitenden wechseln zwischen Homeoffice und Büro, um zu viel Nähe und Anreisen zu vermeiden – auch die Leute vom Basler Ferienpass und vom colourkey können punktuell in ihren Büros weiterarbeiten und kommende Angebote vorantreiben. 

 

Jugendarbeit im öffentlichen Raum

 

Einstweilen suchen etwa unsere Mobile Jugendarbeit in Birsfelden, aber auch die Treffteams in ihrem räumlichen Umfeld – immer unter Einhaltung der notwendigen Abstandsregeln – weiterhin Jugendliche auf, die sich im öffentlichen Raum aufhalten, diskutieren mit ihnen, klären über die Sicherheitsmassnahmen auf, hören sich ihre Sorgen an. Gerade zu Anfang haben sich viele Jugendliche mit dem Lockdown schwergetan, einige wenige wollten unsere Leute auch provozieren, doch inzwischen scheint sich bei den meisten von ihnen ein vernünftiger Umgang mit der Krise eingependelt zu haben. Es ist für junge Menschen, die es naturgemäss hinaustreibt, zu ihren Altergenossen*innen, naturgemäss schwer, sich den Ausgangsbeschränkungen zu fügen, auch dafür sollte man Verständnis haben, umso höher ist es ihnen anzurechnen, wenn sie es trotzdem tun. 

 

Jugendkultur

 

Das Team des Badhuesli im St. Johann, das ja am Laufmeter Jugendkulturprojekte in hochgradig partizipativer Manier auf die Beine stellt, hat bereits Anfang März sehr schnell, sehr vernünftig – und unter direktem Einbezug seiner jungen Zielgruppen – reagiert. Mehrere Veranstaltungen mussten schlagartig abgesagt werden, darunter leider das grossartige «Pärkli Jam», das im Juni den St. Johanns-Park gerockt hätte. Die Vorbereitungen zu diesem Gross-Event sind einfach zu komplex, zu viele Leute sind daran beteiligt, zu hohe Kosten entstehen, es wäre nicht zu verantworten gewesen, diese Geschichte laufen zu lassen. 

 

Jugendzentren und Jugendarbeit in den Bibliotheken

 

Anfangs mussten die Teams unserer Angebote noch in ihrer direkten Umgebung wirken. Es galt, mit den Jugendlichen zu reden, die sich um die geschlossenen Häuser versammelten, ihnen die Hintergründe der Schliessungen zu erklären und sie über die Notstandsmassnahmen aufzuklären. Im Allgemeinen können wir sagen, dass die meisten der Jugendlichen sehr einsichtig und verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen. Folgende drei Arbeitsschwerpunkte gelten nun für unsere Jugendzentren und unser Bibliotheks-Teams in nächster Zeit:

  • Prävention: Etwa die Aufklärung von Jugendlichen zur aktuellen Situation sowie die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen. 

  • Animation: Kreative Projekte auf vielen digitalen Kanälen. 

  • Beziehungsarbeit: Geht weiter, wir halten den Kontakt zu den Jugendlichen, per Telefon, Chat, Videokonferenzen usw. 

Grundsätzlich werden unsere Leute während der Öffnungszeiten ihrer Angebote präsent und für die Jugendlichen erreichbar bleiben. 

 

Freizeithalle und RiiBistro, Tagesstruktur und Mittagstisch

 

Die Freizeithalle Dreirosen und das RiiBistro bleiben natürlich geschlossen, wobei die Küche des Bistros bis zuletzt weiter für die Tagesstruktur Dreirosen kochte, wo momentan einige wenige Kinder betreut werden, deren Eltern etwa im Gesundheitswesen arbeiten oder sonst beruflich stark eingespannt sind. Wichtig ist, dass die jungen Leute, die in der Freizeithalle und im Bistro im Rahmen von Beschäftigungsprogrammen arbeiten, ihre neu gewonnene Arbeitsstruktur nicht gänzlich verlieren: sie werden in nächster Zeit interne Hintergrundarbeiten ausführen. Der Mittagstisch Basel-West im JZ Neubad ruht und befindet sich im Kurzarbeit-Modus, solange die Schulen geschlossen sind. 

 

Jugendberatung

 

Die Jugendberatung hat sehr schnell auf ihrer Homepage signalisiert, dass sie erreichbar bleibt. Per Telefon und E-Mail wird sie sich weiter um ihre vielen Ratsuchenden kümmern, die teilweise durch die Notstandsmassnahmen noch tiefer in der Klemme stecken. Auf keinen Fall will sie den Kontakt zu ihrer Klientel verlieren, bei gefährdeten Personen wird pro-aktiv nachgefragt. Nur in absoluten Notfällen, die etwas mit Gewalt, Gefährdung, Suizidalität, Obdachlosigkeit oder absoluter Mittellosigkeit zu tun haben, führt ein Mitglied des Beratungsteams in nächster Zeit ein physisches Treffen durch, unter Einhaltung aller gebotenen Sicherheitsmassnahmen. Das Team geht davon aus, dass sich während der Corona-Krise die psychosozialen Beratungen häufen werden. Gerade die Vernetzung ist momentan besonders wichtig, gerne übernimmt die Jugendberatung Fälle, welche von der Schulsozialarbeit oder vom GAP an sie weitergeleitet werden. Das Team hofft, dass die Krise für Jugendliche, die in Notlagen stecken, die Kontakthürde nicht erhöht. Die Beratung per Telefon, Mail und Video-Telefonie (die nicht für alle möglich ist) betrachtet es als Herausforderung. Am Telefon beispielsweise fehlt das Gesicht des Gegenübers, weil jene Botschaften wegfallen, die das Erscheinungsbild einer Person vermittelt. Man müsse nun eben sehr stark und aufmerksam auf Zwischentöne achten, die in einer Stimme oder einem Mail-Text durchkommen.

 

So funktioniert also JuAr Basel in der Zeit der Krise. Und so manches neue Medium könnte uns auch langfristig helfen, miteinander zu kommunizieren. Natürlich freuen wir uns alle auf bessere Zeiten, in denen wir wieder physisch für die Basler Jugend präsent sein können. Aber einstweilen halten wir durch.