Vorwort Frühling-Newsletter JuAr Basel 04/2020

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Liebe Freundinnen und Freunde von JuAr Basel

Als ich Kind war, da haben meine Grosstanten immer zu mir gesagt: «Ei, wie die Zeit vergeht, wir haben schon wieder Ostern, obwohl doch gerade erst Herbstmesse war. Die Jahre fliegen davon».

Mir ist das als Kind und als Teenager immer komisch vorgekommen. Die Zeitstrecke bis zu den heiss ersehnten Geburtstagsgeschenken schien mir ewig zu sein, die Ferienautofahrt ins Engadin hörte einfach nicht auf – und ein Semester Progym kam mir so unendlich wie der Weltraum vor. Die Zeit, das war ein uferloser Ozean – und wenn es einem langweilig war, dehnte sie sich noch weiter aus. Natürlich erlebe ich das heute, mit Mitte Fünfzig anders. Ich höre mich sagen: «Was? Schon wieder Ostern, hei, die Zeit rast».

Aber ich habe nie vergessen, wie ich als Kind – vielleicht während der Geografiestunde – an einem schönen Sommernachmittag zum Fenster hinausgeschaut und die Sekunden gezählt habe. Die Zeit wollte und wollte einfach nicht vergehen.

Und genau daran muss ich denken, wenn ich heute beobachte, wie hart die Corona-Kontaktsperre, der streng limitierte Ausgang, das verminderte Sozialleben die Jugendlichen treffen. Auch für die Erwachsenen ist es nicht einfach. Kaum jemand, der heute in dieser Stadt, in diesem materiell gesegneten Land unterwegs ist, hat so etwas schon einmal erlebt. Nie waren wir mit Ausgangsbeschränkungen, geschlossenen Unterhaltungsangeboten, einem faktischen Totalstopp des öffentlichen Lebens konfrontiert.

Ausser, wenn es uns einmal in ein Bürgerkriegsgebiet oder in eine Katastrophenzone verschlagen hat. Und selbst dann, das kann ich ihnen aus eigenen Erfahrungen berichten, weiss man tief in seinem Inneren, dass zuhause alles seinen normalen Gang geht – und das ist in solchen Fällen ein zutiefst beruhigender Gedanke.

Aber im Moment ist überhaupt nichts normal oder beruhigend.

Ich stelle mir mich selber im Alter von 15 Jahren vor, mit einem wilden Freundeskreis, möglicherweise gerade verliebt, mit meinen Interessen, die ich mit Gleichaltrigen begeistert teilen will, einem (gesunden) Misstrauen der Erwachsenenwelt gegenüber und einer (natürlichen) Neigung zur Rebellion.

Und dann schlägt dieser Hammer in den Alltag hinein.

Abwehr kann da, muss da zunächst die erste Reaktion sein.

In diesem Sinne habe ich grosses Verständnis für die anfänglichen Reaktionen mancher Jugendlicher auf die Notstandsmassnahmen. Sogar herbe – und letztlich nicht wirklich wahre oder gescheite – Sprüche wie «wir werden ja gar nicht angesteckt, es ist doch nur ein Problem für euch Alte. Und ihr seid ja sowieso schon für die Klimakrise verantwortlich und habt die Welt kaputt gemacht» können mich nicht aufregen.

Tatsächlich ist es – und war es zu allen Zeiten – das Privileg der Jungen, den Alten solche Dinge zu sagen. Und meistens ist es nicht ganz so ernst gemeint, wie es daherkommt. Vielmehr wirken hier legitime Abgrenzungsmechanismen, die zur Selbstfindung gehören.

Umso mehr bin ich jetzt beeindruckt, davon, dass sich die allermeisten Jugendlichen den Massnahmen fügen, grosse Vernunft beweisen, obwohl sie die Ungeduld innerlich sticht und drängt. In diesem Sinne kann die Herausforderung, die wir jetzt erleben müssen, eben sogar Generationen-verbindend wirkend. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem vor allem gegenseitiges Verständnis, gegenseitige Rücksichtsnahme, gegenseitiger Dialog gefragt sind.

Wir von JuAr Basel kümmern uns, Sie werden es in diesem Newsletter erfahren, weiterhin um die Bedürfnisse der Basler Jugend, wir halten den Kontakt, über Telefon, Chat, interaktive Spiele, soziale Medien, Videokonferenzen. Und im Moment sind diese technischen Mittel, die ja durchaus auch eine dämonische Kehrseite haben, für uns und die Kids ein wahrer Segen.

Ich wünsche Ihnen allen viel Geduld, Durchhaltevermögen, Gesundheit – sowie natürlich gute Unterhaltung bei der Lektüre dieses Newsletters.

Möge der Spuk bald vorbei sein!

Herzlich

One Love

Christian Platz, Präsident JuAr Basel

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