Finanzhilfe bis 2023 – was von den Verhandlungen bleibt

Mit dem Entscheid des Grossen Rats vom 15. Januar 2020 zum Finanzhilfegesuch von JuAr Basel und aller anderen subventionierten Organisationen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) ging – wie alle (4) Jahre wieder – ein für uns intensiver, fast zweijähriger Prozess zu Ende. Was bedeutet dieser Entscheid nun für die Jugendarbeit, unsere Institution und die nächsten Jahre?

Von Albrecht Schönbucher, Geschäftsführer JuAr Basel

Das ED – fair und transparent


Obwohl manche Hoffnungen und Erwartungen unserer Jugendarbeiter_innen und der Verantwortlichen leider nicht in Erfüllung gingen, herrschte am Ende bei JuAr Basel doch überwiegend ein Gefühl der Zufriedenheit. Einerseits waren die Verhandlungen mit dem Erziehungsdepartement dieses Mal von einem Geist der Fairness und Transparenz geprägt; dazu ist unsere wichtige Arbeit für weitere vier Jahre gesichert. Und vor allem wurde nicht, wie noch vor vier Jahren, jedes Gesuch mit finanzrelevanten Änderungen pauschal abgelehnt.

Neues Jugendzentrum Kleinhüningen – Mittel für neuen Standort Jugi Bachgraben


Erfreulich war sicherlich, dass einige unserer Eingaben sich mit den Resultaten der departementalen Planungsberichte deckten. So kann nun endlich – gut 15 Jahre nachdem JuAr Basel dies erstmals mit Nachdruck gefordert hatte – ein weiteres Kleinbasler Jugendzentrum in Klybeck/ Kleinhüningen aufgebaut werden. Auch der aufgrund von schulischen Erweiterungsbauten erforderliche Abriss und von grossen Herausforderungen begleitete Umzug des Jugendzentrums Bachgraben, quasi aus der Quartiersmitte an die Peripherie, sollte durch den «Zustupf» von Fr. 35'000.- zumindest keine finanziellen Nachteile für uns zeitigen.

Keine Jugendkulturarbeit – keine neuen Mädchenangebote

Dem gegenüber hatten die von Jugendlichen stark geforderten und frequentierten Angebote, wie die gewachsenen erfolgreichen Jugendkulturangebote im Badhuesli oder die Mädchenarbeit im Gundeli auch aufgrund nicht vorhandener Planungsgrundlagen keine Chance auf Finanzhilfen. In beiden Fällen, mit jeweils für uns fachlich nicht nachvollziehbaren Begründungen, bleibt vorerst nur die zeitlich limitierte private Finanzierung durch Stiftungen. Langfristig kann es kein Argument sein, wichtige Angebote nur deshalb nicht zu unterstützen, weil sie einmal (erfolgreich und zeitnah) als Pilotprojekte von Stiftungen mit aufgebaut wurden.

Steigen die Nachfrage und der Bedarf nach solchen Angeboten weiterhin, müssen spätestens in vier Jahren Lösungen gefunden werden! Noch immer ist keine staatliche Planung in Sicht, welche den vergleichsweise rasch erfolgenden Veränderungen im Bedarf von jungen Menschen wirklich zeitnah Rechnung trägt – die OKJA muss hier sehr oft fantasievoll in Vorleistung gehen und versuchen, auf partizipativem Weg mit Jugendlichen und eigenen Mitteln oder dem Geld von Stiftungen zu leisten, was eben möglich ist.

Im Parlament: Gute Verankerung der OKJA

Beobachtete man die Arbeit der vorbereitenden Bildungs- und Kulturkommission, lässt sich deren profunde Auseinandersetzung mit dem Feld der OKJA erkennen. Wir hoffen natürlich auch, dass das gemeinsam in der IG Kind und Jugend formulierte und an die Parlamentarier_innen verteilte Paper über die Merkmale der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ( http://www.igkiju.ch/files/merkmale_der_offenen_kinder-_und_jugendarbeit_base.pdf) einen kleinen Beitrag geleistet hat, die Spezifika unserer Arbeit, beispielsweise in Abgrenzung zum Feld der weiter gewachsenen Tagesstrukturen aufzuzeigen.

In der weitgehend sachlich geführten Debatte im Grossen Rat fiel mir besonders auf, dass „— anders“als manchmal in der Vergangenheit – vielen Redner_innen sehr bewusst war, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen sollte, dass es also durchaus Sinn macht, in die Offene Arbeit zu investieren. Wir sind überzeugt, dass nicht zuletzt diese Weitsicht in der Basler Jugendpolitik ein Garant ist und bleibt für weitreichenden sozialen Frieden zwischen den Generationen!

Teilweise harsche Kritik wegen fehlender Kostenrechnungen

Sowohl im Bericht der Kommission als auch in der Parlamentsdebatte wurde teilweise pauschalisierend und überzogen kritisiert, dass noch nicht alle Organisationen, die dazu verpflichtet wären, ihre Kostenträgerrechnung eingereicht hätten. Für Aussenstehende muss sich das fast angehört haben, als wären in unseren Organisationen entweder Dilettanten oder Verweigerer am Ruder. Auf keinen Fall gab es da irgendetwas, was JuAr Basel hätte verdecken wollen! Vielmehr war es so, dass neben dem erheblichen Aufwand und der Komplexität einer solchen Rechnung alle Betroffenen einvernehmlich den Prozess mit der Verwaltung und die intensiven Diskussionen um gerechte Verteilschlüssel und Umlagen in diesem Punkt lange Zeit als nicht gerade einfach erlebten. Pikanterweise lag zum Zeitpunkt der Debatte (15. Januar 2020) die finale Form der Kostenrechnung von JuAr Basel bereits beim ED (seit November 2019). Inzwischen ist sie mit geringen Änderungen offiziell abgesegnet und wird in dieser Form die nächsten Jahre noch bessere Einblicke in unsere Finanzstruktur gewähren.

Problemfelder: Steigende Personalkosten….

Erfreulicherweise stiess auch unser dringliches Anliegen aufgrund steigender Personalkosten auf positive Resonanz. In diesem Jahrhundert profitierte JuAr Basel von lediglich ca. vier Prozent Teuerungsausgleich für die Leistungen in der OKJA. Dass in dieser Zeit sowohl die Teuerung weit höher lag als auch die Lohnkurve in Basel und in der Schweiz stetig nach oben zeigte, wurde von unseren Auftraggeber_innen nie berücksichtigt. Wenn dann noch dazukommt, dass das Feld der OKJA inzwischen als soziales Berufsfeld etabliert ist, wenn statt wie früher fast exklusiv junge Jugendarbeiter_innen zunehmend alle Altersgruppen vertreten sind bis hin zur Pensionierung (unserer historisch ersten Pensionierung im Jahr 2012 folgten bereits drei weitere), kann man sich leicht ausmalen, dass dies finanzielle Folgen hat. Die zugesprochene Erhöhung von ca. Fr. 12'000.- ist allerdings nur ein Bruchteil der Eingabe und leider nicht mehr als der berühmte Tropfen auf dem heissen Stein. Damit können wir nicht einmal einen Drittel der im ersten der vier Vertragsjahre anfallenden und selbstredend wiederkehrenden Lohn- und Lohnnebenkosten ausgleichen.

….und fehlender Teuerungsausgleich

Erschwerend kommt hinzu, dass unser Vertragsbereich OKJA vorläufig kaum eine Chance auf den erforderlichen Teuerungsausgleich hat. Anders als etwa die Mobile Jugendarbeit hat JuAr Basel hohe Sachkosten: alleine Fr. 690'000.- für Raumaufwand belasten Jugendzentren und Freizeithalle. Dies drückt den Personalaufwand mit knapp 68 Prozent an den gesamten Kosten knapp unter die magische Schwelle von 70 Prozent, ab welcher die Teuerung gewährt wird. Anders gesagt: lägen die Mietkosten (fast ausschliesslich bei Immobilien Basel) ca. Fr. 100'000.- niedriger, wäre der Personalaufwand über den 70 Prozent und wir hätten den so wichtigen Anspruch auf Teuerung! Diesen Passus im noch jungen Staatsbeitragsgesetz fanden wir von Beginn an äusserst fragwürdig, zumal mit einsetzender Teuerung nicht nur die Personal-, sondern auch die Sachkosten ansteigen. Dies wird die finanzielle Situation unserer Organisation in Zeiten wachsender Inflation sehr bald deutlich verschärfen.

Ein herzliches Dankeschön

Abschliessend wollen wir uns bei allen bedanken, die mit viel Engagement und Akribie die OKJA allgemein und die Arbeit von JuAr Basel zum Wohl der Basler Kinder und Jugendlichen für weitere vier Jahre gesichert haben. Wir freuen uns über das in uns gesetzte Vertrauen sowie auf die neuen und alten Herausforderungen!

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