Jugendzentren im Lockdown


Drei Schlaglichter auf Angebote von JuAr Basel

Auch nach der Schliessung unserer Angebote blieben die Mitarbeitenden von JuAr Basel aktiv. Zum Glück gibt es heutzutage digitale Medien, die es ihnen ermöglichten, weiterhin für ihre jungen Nutzern*innen im stetigen Kontakt zu bleiben. Momentan sind sie alle daran, vorsichtig wieder zu öffnen, mit starkem Gewicht auf Händewaschen, Hygiene, Distanz. Die Jugendlichen konnten es teilweise kaum mehr erwarten, ihr zweites Zuhause wieder zu betreten. Wie ist es den Jugendarbeitern*innen und ihrer Kundschaft während der Zeit der grossen Schliessung ergangen? Drei Beispiele.

Von Christian Platz, Präsident JuAr Basel

Jugendzentrum Dreirosen

«Wir haben uns ja regelmässig über die Videoplattform Zoom mit den Jugendlichen unterhalten, da gab es Gruppen- und Einzelgespräche. Die haben wir vorher über unsere digitalen Medien und Gruppen angekündigt. Eines Tages erschienen drei Jungs vor dem Haus, just zum abgemachten Termin. Sie hatten sozusagen die Ebenen verwechselt, hatten gedacht, das Zoom-Treffen sei eine reale Sache und nicht im digitalen Raum angesiedelt. Wir mussten sie dann aufklären und wieder verabschieden...», Roger Widmers feines Lächeln begleitet diese kleine Lockdown-Anekdote. Er ist Co-Leiter des Jugendzentrums Dreirosen, dessen Team-Mitglieder während der Schliessung im Basler Waisenhaus mitgeholfen haben. Zwischen drei und sechs Wochen lang haben unsere Sozialarbeitenden auf in- und -externen Wohngruppen der Institution die Sozialpädagogen*innen entlastet. Das hat sie natürlich keineswegs davon abgehalten, sich während dem Lockdown mit den jungen Nutzern*innen ihres Jugis zu beschäftigen. Als sie an jenem Freitagabend erfahren haben, dass am Montag – und bis auf weiteres – keine Schule sei, hätten die Jugendlichen im Treff noch gejauchzt. Nach einigen Wochen Lockdown war das dann anders, manchen ist die Decke zuhause auf den Kopf gefallen, alle möglichen Themen tauchten auf, die sie mit unseren Teamleuten in spontanen Einzelgesprächen und in abgemachten Gruppentreffen online diskutieren wollten. Der Spass kam natürlich auch nicht zu kurz, eine virtuelle Fifa-Fussballmeisterschaft, die mit der Qualifikationsphase begonnen hat, wie es sich gehört, wurde ausgetragen. Roger: «Die Jugendlichen haben sich wirklich sehr über diese Kontakte gefreut.» Zudem hat sich das Team um allerlei Wartungsarbeiten gekümmert, die nur schwer zu machen sind, wenn das Publikum im Haus ist. Inzwischen steht die Glastür wieder offen, das Leben unter dem Brückenkopf ist zurück. «Schau mal», sagt Roger, er zeigt auf ein Plakat an der Glaswand des Jugendzentrums, auf dem die Jugendlichen eintragen konnten, was sie während dem Lockdown besonders vermisst haben. Darauf stehen einige Dinge. Doch drei Buchstaben erscheinen immer wieder: MAC. «Damit ist McDonald`s gemeint», sagt Roger – und wieder umspielt jenes feines Lächeln seine Lippen.

Mädona Treff für Mädchen und junge Frauen

Carmen Büche, Co-Leiterin des Mädona, sagt es klar und deutlich, wie immer: «Selbstverständlich wurden wir nach dem Lockdown überrannt. Die Girls konnten es nicht erwarten, wieder vorbeizukommen. Zuerst mussten wir gleich mal dafür sorgen, dass sich nicht alle vor lauter Freude um den Hals fallen, denn das geht zurzeit natürlich nicht.» Während der stillen Zeit hatten die Frauen vom Team permanent Kontakt zu ihren Nutzerinnen, über WhatsApp, telefonisch, über Zoom; lockere Plaudereien, ernsthafte Beratungen, Fragen über Gott und die Welt, über die ganze seltsame Geschichte mit dem Virus und den Massnahmen diskutieren, erzählen, was während dem Lockdown daheim abgeht – das Kommunikationsbedürfnis der Girls war beachtlich. In einzelnen, schwierigen Fällen, haben sich die Teamfrauen auch mit jungen Frauen getroffen und sie beraten, bei einem Spaziergang zu zweit, am Rhein. Für die jüngeren Nutzerinnen, die Mädchen, wurden allerlei Bastelanweisungen, Kochrezepte, Animationen und so weiter auf dem Internet zur Verfügung gestellt, digitale Farbtupfer gegen die Lockdown-Langeweile. «Es war uns ein Anliegen, den Girls ständig zu zeigen, dass wir noch da sind, auch wenn alles geschlossen ist. Und das hat bestens geklappt. Dank den technischen Möglichkeiten die wir haben.» Man merkt es ihr an, Carmen ist trotzdem froh, dass nun wieder Live-Jugendarbeit angesagt ist.

Jugendzentrum Eglisee

Eigentlich sieht Bastian Bugnon, Co-Leiter des JZ Eglisee, die ultrapopuläre Online-Spielplattform «Fortnite» eher kritisch, zudem ist er persönlich absolut kein Computerspieler. Die Situation während dem Lockdown hat ihn dazu gebracht, sich mit diesem Medium zu befassen, auf dem Teilnehmer*innen aus der ganzen Welt spielen, ab 12 Jahren ist der Zugang erlaubt. Bastian: «Am Anfang haben wir versucht, mit den Jugendlichen digitale Brettspiele zu machen, das hat nicht so gut funktioniert. Dann erhielten wir von einem unserer Stammgäste einen Tipp, auf Fortnite seien fast alle präsent und man könne über diese Plattform auch chatten. Für mich war dieses Angebot immer in einer Grauzone angesiedelt, denn sie bietet auch Ballerspiele, die zwar nicht blutig oder gewalttätig aufgemacht sind, aber es bleiben halt Ballerspiele. Indem wir uns mit Fortnite vertraut machten, haben wir eigentlich aufsuchende Jugendarbeit im digitalen Raum gemacht. Dabei haben wir entdeckt, dass die Plattform eigentlich viel mehr zu bieten hat. Man kann sich dort auch eigene Welten schaffen, kann Verstecken spielen, kann sich austauschen, sich einen sicheren Raum schaffen – und selber entscheiden, welche Aktivitäten auf der Plattform öffentlich zugänglich sind und welche sichere private Austauschräume bleiben. Ich muss zugeben, dass ich durch die Beschäftigung mit diesem Medium wieder einmal sehr viel über die Lebensrealitäten der Jugendlichen gelernt habe.» Viel wurde diskutiert, über Corona, die Massnahmen, die Isolation während dem Lockdown, Schularbeiten, Berufswechsel, Lehrabschlüsse, die Familiensituation. Zwei Stammkunden hatte es besonders hart erwischt, beide mussten aus gesundheitlichen Gründen in strenger Quarantäne leben. Sie durften täglich nur eine Viertelstunde alleine ins Freie, mit Maske. Mit ihnen hat sich das Team stark beschäftigt – und alles daran gelegt, ihnen den Lagerkoller etwas erträglicher zu machen. «Im Übrigen», sagt Bastian, «haben wir im Haus noch einen Dachbalken ersetzt, haben geschliffen, lackiert, auf der Leiter gestanden, stundenlang, das können wir nicht machen, wenn hier das grosse Tohuwabohu herrscht.»

Aktuelle Einträge
Auch interessant:
Archiv
Schlagwörter

JuAr Basel

Theodorskirchplatz 7

CH-4058 Basel

T +41 61 683 72 20

Öffnungszeiten Montag bis Freitag 9 - 12h und 14 - 17h