Jugendzentrum Kleinhüningen – neu eröffnet und doch mit langer Geschichte


Am 2. Juni durfte sich ein ganzes Quartier, dessen Jugendliche, aber auch JuAr Basel freuen: Mit dem neu eröffneten Jugendzentrum Kleinhüningen wurde ein lange existierender Bedarf nun Wirklichkeit. Endlich bekommen die vielen Tausend Jugendlichen, die im Kleinbasel unter teilweise sehr schwierigen Lebensumständen heranwachsen, einen zusätzlichen Treffpunkt. Paradoxerweise blickt der Treff aber bereits auf eine lange Geschichte zurück. Dazu gleich mehr…

Von Albrecht Schönbucher, Geschäftsführer JuAr Basel

Wieder einmal ging es «hopplahopp» in der Offenen Jugendarbeit: zum quasi frühestmöglichen Zeitpunkt gelang es JuAr Basel – auch dank der engen Zusammenarbeit mit der zuständigen Fachstelle des Erziehungsdepartements (ED) –, sowohl ein Team als auch einen Raum in Kleinhüningen zu finden, noch bevor alle Verträge mit dem ED unter Dach und Fach sind. Und wie es der Zufall will, fiel der erste Arbeitstag genau auf den Tag, an welchem die Jugendarbeit in Basel vorsichtig aus dem Lockdown aussteigen durfte – ein vielversprechendes Omen!

Jugendarbeit im Elektrogeschäft

Dank der guten Kooperation mit Daniel Hunziker konnte JuAr Basel, zumindest als Zwischennutzung, für ein Jahr, im gerade leergeräumten Geschäft der Kleinbasler Traditionsfirma Elektro Hunziker unterkommen. Hier versucht nun das Team mit der erfahrenen Leiterin Claudia Gunzenhauser und dem gerade von der Hochschule kommenden Endrit Sadiku Fuss zu fassen. Die neue Leiterin berichtet von einem «sehr positiven Echo für ein Jugi in Kleinhüningen», das bei ihren Rundgängen durchs Quartier von vielen Seiten gespiegelt wird. «Alle freuen sich darauf, endlich ein Jugi in der Nähe zu haben", berichtet Claudia. Gemäss dem sogenannten sozialräumlichen Ansatz wird von Anfang an versucht, Jugendliche im Quartier, gerne auch viele ältere, in die Entwicklung, Konzeption, Gestaltung und Einrichtung einzubeziehen. Somit startet das neue Zentrum bewusst in einem leeren Raum mit hohem Partizipationsgrad! Langfristig wird ab Sommer 2021 eine geeignete Liegenschaft in Kleinhüningen gesucht, möglichst mit nutzbarer Aussenfläche.

JZ Kleinhüningen – vom Keller ins «Überirdische»…

Schon einmal durfte JuAr Basel – damals noch als BFA - und mit ihr die Quartiers-Jugendlichen die Neueröffnung des Jugendzentrums Kleinhüningen feiern: «Schneller als erwartet hat die Basler Freizeitaktion ihren dritten Jugendtreffpunkt verwirklichen können». Dies vermeldete stolz der Jahresbericht 1983. Der neue Treff im Fischerstübli am Wiesendamm 20 war von Anfang an stark frequentiert. Bereits 1988 freute sich der damalige Präsident und spätere Regierungsrat Dr. Christoph Stutz über den Umzug aus dem düsteren Kellergeschoss eines Altenheims hinein in die klangvolle «Stücki-Villa» auf dem Areal der alten Stückfärberei (Badenstrasse 25). «Damit wurde unser altes Anliegen realisiert, alle Quartier-Jugendtreffpunkte «überirdisch» einzurichten», so Stutz im Jahresbericht von 1988. Schon interessant sich zu vergegenwärtigen, wo die Jugendtreffpunkte herkommen und wie weit ihr Weg bis zum heutigen Tag mit doch weitgehend guter Bausubstanz, gepaart mit breiter gesellschaftlicher Akzeptanz, war.

…und übers Barracuda ins Dreirosen

Als dann 1992 – quasi als Geburtstagsgeschenk zum 50-jährigen Bestehen der BFA – der Umzug in den Altrheinweg 38 erfolgte, begann die Zeit des später «Barracuda» getauften ehemaligen Ciba-Mehrfamilienhauses, bereits dem dritten Standort in neun Jahren. 2006 schliesslich rückte mit dem Bezug des vierten und hoffentlich endgültigen Standorts nach 23 Jahren im bis heute erfolgreich agierenden Jugendzentrum Dreirosen das Angebot endgültig aus Kleinhüningen heraus - mitten hinein ins untere Kleinbasel. Hintergrund waren die Kündigung des Mietvertrags und das verlockende Angebot der Christoph Merian Stiftung an die BFA, das neue Freizeitzentrum im Brückenkopf Dreirosen mitplanen und mitbeziehen zu dürfen. Übrigens war Waltraud «Waldi» Waibel, heutige Vizepräsidentin von JuAr Basel, tatsächlich an allen vier Standorten die Leiterin - und das noch bis zu ihrer Pensionierung 2013.

Langjähriges Vakuum in Kleinhüningen

Doch damit entstand auch eine grosse Lücke in Kleinhüningen/ Klybeck, auf die JuAr Basel von Anfang an hingewiesen hatte. So hat der Autor dieser Zeilen schon als damals verantwortlicher Abteilungsleiter in einem langen Artikel im Organ «bfa-info» mit der Überschrift «Basel braucht mehr Quartier-Jugendtreffpunkte» mithilfe statistischer Berechnungen dargelegt, dass es besonders im Kleinbasel mit damals 3300 Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren mindestens einen, besser zwei weitere Jugendtreffs bräuchte.

Das lange Warten

Seitdem hat sich JuAr Basel in allen Verhandlungen und Planungsprozessen immer wieder für einen weiteren Standort eingesetzt, lange vergebens. Bewegung kam vor gut zwei Jahren ins Spiel: einerseits lancierte JuAr Basel zusammen mit der Spielwerkstatt in Kleinhüningen und der Unterstützung des Kleinbasler Stadtteilsekretariats, finanziert durch die CMS, ein wöchentliches Angebot für jüngere Kids zwischen 11 und 14 Jahren, das bis heute erfolgreich zeigt, wie gross der Bedarf an einem Freizeitangebot dort ist. Andererseits erkannte nun auch die Verwaltung in ihren Planungsberichten diese Lücke. Der städtische Planungsbericht von 2017 hält fest: «Zu den Wohnvierteln mit besonders auffälligen Werten gehören Klybeck, Matthäus, Rosenthal, Kleinhüningen und Clara. In diesen Vierteln sind sowohl die Sozialhilfequote bei Kindern und Jugendlichen als auch die Arbeitslosenquote besonders hoch. Die Viertel weisen zudem besonders hohe Anteile an ausländischen Minderjährigen auf, verbunden mit einer niedrigen Quote an Gymnasialempfehlungen.“

Als dann JuAr Basel, in Absprache mit verschiedenen Quartierorganisationen, bei den Eingaben zur Finanzhilfe 2020 bis 2023 die Finanzierung eines Jugendzentrums Klybeck-Kleinhüningen forderte, erfolgte erfreulicherweise die Zustimmung der Verwaltung und im Januar 2020 auch abschliessend die des Parlaments.

Neustart gemeinsam mit dem JZ Dreirosen

Nun geht es also zum zweiten Mal los – dieses Mal hoffentlich langfristig. Zunächst einmal mit einem kleineren Budget als in den anderen Zentren, das nur für 100 Stellenprozent und eine Vorpraktikums-Stelle reichen wird. Deshalb setzt die Trägerschaft auf Synergien mit dem JZ Dreirosen. Ähnlich wie im Konstrukt «Jugendarbeit Basel West», mit den Jugendzentren Neubad und Bachgraben unter einem Dach, soll hier unter dem Projekttitel «Jugendarbeit Basel Nord» ein aufeinander abgestimmtes Angebot ermöglicht werden. D.h., es wird auch einander ergänzende Nutzungszeiten geben, eine Gesamtleitung – Claudia Gunzenhauser (in beiden Häusern verantwortlich) mit Roger Widmer – und wenn immer nötig und möglich die gegenseitige personelle Unterstützung.

Jugendzentrum Nr. 9 bei JuAr Basel

In den Anfangszeiten ist der Treff vorerst am Mittwoch und Donnerstag für Jugendliche geöffnet, nach den Sommerferien soll bald ein dritter Tag hinzukommen, wenn möglich am Wochenende. Im September wird dann an einem Eröffnungsfest für die Jugendlichen, aber auch die vielen engagierten und uns unterstützenden Personen und Organisationen aus dem Quartier sowie die Verwaltung und Politik, diese Rückkehr der Offenen Jugendarbeit nach Kleinhüningen gefeiert werden. Damals war es der dritte Jugendtreff der BFA – heute ist JuAr Basel als Nachfolgeorganisation glücklich und stolz, bereits das neunte Jugendzentrum führen zu dürfen! Wir wünschen dem jungen Team ein gutes Händchen und viel Erfolg dabei!

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Theodorskirchplatz 7

CH-4058 Basel

T +41 61 683 72 20

Öffnungszeiten Montag bis Freitag 9 - 12h und 14 - 17h