Die Zahlen erzählen Geschichten, von Menschen, von Schicksalen, vom Leben


Wenn sie als kleines Mädchen gefragt wurde, welchen Beruf sie einmal ergreifen möchte, dann hat Sabine immer die gleiche Antwort gegeben: «Buchhalter», in den 1970er Jahren hat man die weibliche Form halt noch nicht so selbstverständlich hinzugefügt wie heute. Heute arbeitet sie – nun schon seit mehr als einem Jahr – als Finanzchefin von JuAr Basel, in unserer Zentrale im Basler Waisenhaus. Auf diesem Posten hat sie unser Urgestein Alain Baumann ersetzt, nachdem er pensioniert wurde, der ein ganzes Arbeitsleben lang bei der BFA/JuAr Basel wirkte. Aus der Sicht der Finanzfachfrau ist unsere Organisation ein ausserordentlich komplexes Gebilde – und es ist ihr anzumerken, dass sie derartige Komplexität durchaus reizvoll findet.


Von Christian Platz


Sabine Suters Büro hat eine wunderbare Aussicht auf den Rhein, mit einem kleinen Seitenblick kann sie ihre Blicke jederzeit vom Computerbildschirm auf den Fluss und auf das Grossbasel wenden, auf das reale Leben eben. Vom Computerbildschirm, der für fast alle Menschen das Fenster in die Arbeitswelt geworden ist – und für Finanzleute sowieso. Als ihr Vorgänger, Alain Baumann, einst zur BFA gekommen ist, gab es noch lange keinen Computer auf seinem Arbeitstisch, in seine Welt ist die EDV hineingebrochen, wie viele Menschen aus seiner Generation musste er sich zunächst daran gewöhnen.


Sabine Suter steht gerade inmitten eines umfassenden Prozesses, der mit einem Computerprogramm zu tun hat. Die JuAr Basel stellt zurzeit nämlich ihr ganzes Finanz-und Lohnwesen auf Abacus um, ein modernes Programm, Sabine ist es dabei sehr wohl, sie lacht und sagt: «Ich freue mich extrem über diese Erneuerung, wir haben mit Abacus jetzt einen guten Mittelklassewagen. Vorher verfügten wir bloss über einen Fiat Panda. Wir bekommen nun ein Programm für Buchhaltung, Lohnbuchhaltung und Archivierung, alle Belege können digitalisiert und verarbeitet werden. Wir sind unterwegs in Richtung papierloses Büro». Um diese Entwicklung in den Griff zu bekommen, hat Sabine eine spezifische Ausbildung absolviert, in der es um die Spezialisierung von Finanzchef*innen auf Digitalisierung ging.


Das soziale Feld


Sabine Suters Vater war kaufmännischer Leiter einer Firma, sie, die schon in ihrer Kindheit von Zahlen fasziniert war, trat in seine Fusstapfen – bereits im Alter von 25 Jahren war sie Finanzchefin eines Produktionsbetriebs. Später stieg sie in die Politik ein, schaffte es, in den Grossen Rat gewählt zu werden, für die SP – und wechselte beruflich aufs soziale Feld. Von 2002 bis 2013 war sie Parteisekretärin der SP, Ressort Finanzen und Infrastruktur, dann wechselte sie zur Spitex Riehen-Bettingen, zunächst war sie dort für Finanzen und Administration zuständig, ab 2016 wurde sie zudem Co-Geschäftsleiterin. Und dann kam sie ins Waisenhaus, zur JuAr Basel.


«Ich habe mich einmal entschieden, kein Rechnungswesen zu führen ohne Lohnbuchhaltung. Das war auch bei der SP der Fall. Das Leben in einer Organisation bildet sich in den Zahlen ab, Trennungen, Scheidungen, Unfälle, Geburten, Erkrankungen. Wenn ich alle Infos habe, kann ich den Mitarbeitenden oft helfen, kann sie auf Probleme aufmerksam machen. Den Leuten ist die Bedeutung der Zahlen und deren Folgen für ihr Alltagsleben oft gar nicht bewusst, wenn es etwa um Steuern und Gebühren geht, da kann ich häufig für Klarheit sorgen, das ist mir wichtig», so Sabine, dann fügt sie noch hinzu: «Ich lote bei meiner Arbeit auch gerne die soziale Seite einer Organisation aus. Dabei interessiert mich die Frage: was ist für die Mitarbeitenden möglich, wie ist es um die Gerechtigkeit bestellt? Wenn es möglich ist, kann ich die Lage der Menschen, die in einem Betrieb arbeiten, verbessern, indem ich kleine Sachen bewege», führt Sabine aus.


Hohe Konzentration


Wie betrachtet die Fachfrau unsere Organisation durch die Finanzbrille? Sabine: «JuAr Basel ist ein sehr komplexes Konstrukt, das sehr viele Spezialitäten und Eigenarten aufweist. Dies hängt natürlich mit unseren vielen Aussenstellen zusammen, die alle ihren eigenen Charakter haben, auch mit den Praktikantinnen und Praktikanten, die jedes Jahr wechseln. Dazu kommt der Umstand, dass die Kostenstellen- und Kostenträger-Abrechnungen, wie sie heute von unseren staatlichen Partnern verlangt werden, hochgradig komplex sind, diese zu erstellen erfordert hohe Konzentration. In diesen Bereich versuche ich unsere Fachstellenleiter*innen immer stärker einzubeziehen. 2020 war – wegen dem Virus – teilweise der Horror, die Geschichte mit der Kurzarbeit bedeutete einen enormen Aufwand. Bis heute haben wir in dieser Angelegenheit noch keine definitiven Abrechnungen erhalten».


Vor diesem Hintergrund sei sie sehr froh um ihr Team, es besteht aus Elke Deiss und Oliver Falk, das ihr enorm helfen würde, die Arbeitslast zu tragen. Dankbar sei sie auch, dass mit Kandid Ganter ein enorm gewiefter, erfahrener Treuhänder im Vorstand von JuAr Basel sitze, mit dem sie sich immer austauschen könne, der immer offen für fachliche Fragen sei – und immer wieder erstaunliche Wege und Auswege in kniffligen Situationen finde.

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