Harry Potter Night:Wenn die Bibliothek zu Hogwarts mutiert


Am 17. Oktober ging in der GGG Stadtbibliothek die grosse Harry Potter-Nacht über die Bühne. Der Jugendarbeiter Simon Zimmermann, der als Mitarbeiter von JuAr Basel in den Bibliotheken der GGG wirkt, hat das Projekt angerissen, mit einer Gruppe von zwölf Jugendlichen zusammen. Wäre die Pandemie nicht dazwischengekommen, hätten wohl noch viel mehr Jugendliche an der Veranstaltung teilgenommen. Aber auch so waren es noch gut 90, die einen wunderbaren Abend erlebten.


Von Christian Platz


Harry Potter ist schon längst zu einer Marke geworden, der Zauberlehrling, erfunden von der Autorin J.K. Rowling, hat nun schon drei Generationen Jugendlicher fasziniert, seit 25 Jahren ist die Figur in Romanen und Filmen unterwegs. Die Jugendkulturen habe sich in dieser Zeit gewandelt, doch die Geschichten um die Zauberschule sind eine Konstante geblieben, ein moderner Klassiker. Im Frühling 2020 hat sich der Jugendarbeiter Simon Zimmerman von JuAr Basel, er wirkt für uns in den GGG Stadtbibliotheken, gedacht, dass dieses Zauberer-Universum eine gute Grundlage für ein Projekt sei, ein typisches Projekt der Offenen Jugendarbeit, bei dem er einen Rahmen schaffen könne, den Jugendliche mit ihren Ideen und ihrer Kreativität füllen können. Und so war es am Ende auch. Doch der Weg bis zur Veranstaltung war zunächst steinig.


Kaum war die erste Gruppe gebildet, kam der Lockdown dazwischen, da ist die Sache erst einmal auseinandergeflogen, nur zwei der Jugendlichen sind dabeigeblieben. Doch Simon gab nicht auf und fand eine neue Gruppe, sechs Girls, sechs Jungs, im Alter zwischen 12 und 15 Jahren.


Zuverlässigkeit


Es gibt ja Jugendliche, die totale Harry Potter Expert*innen sind, ein Teil von ihnen schreibt die Zauber-Geschichten auf dem Internet weiter und kennt jeden Stein in den Mauern der magischen Schule beim Namen. Simon Zimmermann: «Von dieser Sorte hatten wir nur zwei oder drei in der Gruppe, die anderen kennen das Potter-Universum zwar, aber sie sind keine Nerds. Erstaunlich war bei diesem Team die Zuverlässigkeit, alle sind zu jeder Besprechung erschienen, alle haben mitgemacht, bei der Planung, der Umsetzung, den Vorbereitungen und der Durchführung». Das war natürlich eine feine Sache, zumal Simon die ganze Kiste erstmals allein, ohne weitere Begleitung aus der Jugendarbeit, aufgebaut hat. Die Gruppenmitglieder sind aus mehreren Basler Quartieren und aus allen Bildungsschichten gekommen, es war nicht etwa einfach ein Freundeskreis, der sich schon vorher kannte.


Zuerst mussten sie sich darüber klar werden, in welcher Form die Sache ablaufen sollte. Bald stellte sich heraus, dass man einen Postenlauf gestalten wollte, garniert mit Aufgaben, die das Thema reflektieren sollten, dazu solle es eine Bar mit Getränken (ebenfalls Zaubertränken natürlich) und Verpflegung geben.


Ressorts


An diesem Punkt wurden Ressorts geschaffen, die sich um die einzelnen Bereiche der Veranstaltung kümmerten. Auch hier arbeiteten alle fleissig und mit grosser Zuverlässigkeit. Zehn Stationen mit verschiedenen Sujets entstanden so, da wurden Rätsel gelöst, Kostüme anprobiert und prämiert, Zauberstäbe gebastelt und vieles mehr. Zudem wurden zwei Harry Potter-Filme gezeigt, von Fans gedreht – die auf YouTube beinahe so gut laufen, wie die offiziellen Potter-Beiträge. In der riesigen und unvergleichlich preisgünstigen Fundgrube des «OffCut»-Ladens am Dreispitz wurde das Material eingekauft. Als die Veranstaltung beworben wurde – wer dabei sein wollte, musste sich anmelden –, kam sogleich ein Schub Anmeldungen. Da sagte Simon zum Team, welches ihn bei der Durchführung unterstützte: «Jetzt müssen wir uns aber ins Zeug legen – und wir müssen uns überlegen, wieviele Besucher*innen wir überhaupt reinlassen können, damit die Sache sicher bleibt und die Leute vor Corona geschützt sind». Die Harry Potter Night dauerte dann von 19 Uhr bis 22 Uhr. Doch Simon und sein zwölfköpfiges Team waren schon viele Stunden früher im Haus, einen Nachmittag lang machten sie die Stadtbibliothek zur Kreativwerkstatt, da wurde gemalt, gebastelt, ausgelegt. Das sei natürlich, so Simon, auch vielen Bibliothek-Besucher*innen aufgefallen, die dann mit den Jugendlichen ins Gespräch kamen: «Einige wollten gleich ihre eigenen Kinder für den Abend anmelden».


Es wurde eine gloriose Nacht. Simon: «Ohne Corona hätten wir wohl hunderte von Leuten anziehen können, aber es war, wenn man die Umstände dieses Jahrs in Betracht zieht, ein grosser Erfolg, dass die Sache überhaupt zustande gekommen ist.» An diesen Erfolg will er nun anschliessen, die Gruppe hat sich nach dem Anlass wieder getroffen und sich für das nächste Thema entschieden: Superhelden. Das Ziel von Simon Zimmermann ist es, die GGG Stadtbibliotheken als Veranstaltungsort auch für Jugendliche populär zu machen. Ein Grundstein dafür wurde nun gelegt.

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