Jugendarbeit in der Welt der Bücher und Medien



Simon Zimmermann ist – im Rahmen der Offenen Jugendarbeit, die JuAr Basel in den Filialen der GGG Stadtbibliothek leistet – für die grosse Zentrale im Schmiedenhof zuständig. Unsere Mitarbeitenden in den Bibliotheken wurden während den Lockdowns phasenweise förmlich von Jugendlichen überrannt, weil sie die einzigen Jugendangebote führen, die zeitweise geöffnet blieben, allerdings nur als Lesesäle, nicht als Orte der Jugendarbeit. Die Beziehungsarbeit ist deshalb auch bei ihnen weggebrochen, sie verwandelte sich – wegen den Schutzmassnahmen – zusehends in einen Ordnungsauftrag. Trotzdem konnte Zimmermann auch während der Pandemie einige beachtliche Projekte durchziehen, teilweise auch in der digitalen Welt.


Von Christian Platz


Die Jugendarbeit in der grossen Zentrale der GGG Stadtbibliothek bringt andere Herausforderungen als jene in den Quartierbibliotheken. Sie bietet mehr Raum, mehr Gelegenheit für Veranstaltungen und Projekte. Dabei ist Simon in seinem Element, denn er ist ein begabter Vernetzer, immer am Puls seiner Kundschaft und deren Interessen, er kennt die Trends und Vorlieben der Jugendlichen, zudem ist er sehr fit mit Computern, Programmen, Internet-Geschichten aller Art. Zum Glück, denn vieles musste letztes Jahr in der digitalen Zone stattfinden. Gerade Angebote, deren Inhalt dem klassischen Bibliotheksangebot eigentlich am nächsten sind, sich also mit dem Metier des Lesens und Schreibens befassen, konnten in der Computerwelt bestens weitergeführt werden.


Projektstau


Der Lesezirkel, die Book Hunter und der Schreibclub trafen sich alle online. Auch die Beziehungsarbeit musste weitgehend auf Zoom stattfinden. Ein grosses Glück war, dass die grosse Harry Potter Nacht, die Simon mit Jugendlichen zusammen auf die Beine gestellt hat, letzten Herbst in glorioser Art und Weise durchgeführt werden konnte. Er staunt noch heute darüber, dass es möglich war, womöglich hatte es mit Zauberei zu tun. Zudem hat Simon letztes Jahr, wenn Flaute war, als Coach für junge Bibliotheks-Mitarbeitende gewirkt. Ansonsten erlebte er einen massiven Projektstau – es waren Workshops und Veranstaltungen mit Künstlern*innen geplant, die mussten wegen der Schutzmassnahmen immer wieder verschoben werden, was die Nerven aller Beteiligten natürlich strapazierte. Die Meisten davon konnten bis anhin noch nicht über die Bühne gehen, haben aber neue Daten für das laufende Jahr erhalten, was für den Jugendarbeiter bedeutet, dass er fast keine neuen Veranstaltungen anreissen kann, weil so viele noch in der Warteschlaufe stehen. «Dabei muss ich unsere Partner immer bei Laune halten, von Verschiebung zu Verschiebung», sagt er.


Tag gegen Rassismus


Ein weiteres Problem ist, dass in der Zeit der Pandemie und der Schutzmassnahmen kaum neue Jugendliche die Bibliothek entdeckt haben, phasenweise kam die Stammkundschaft zwar in Massen, doch der Nachwuchs fehlt momentan. Es würde einige Zeit dauern, bis diese Lücke wieder aufgefüllt werden könne und die jüngeren Jugendlichen die Bibliothek wieder entdecken würden, so Simon. Er selber hat kürzlich aber etwas entdeckt, auf Instagram, dass Radio X einen «Tag gegen Rassismus» plante nämlich. Also hat er das Thema im Schreibclub beliebt gemacht – und erhielt alsbald zwei hochinteressante Textbeiträge von Jugendlichen. Einer davon konnte vom Autor in der Sendung vorgelesen werden. Daraus ergibt sich womöglich bald eine regelmässige Zusammenarbeit zum Thema Rassismus, zwischen Radio und Schreibclub. Zukunftsmusik, aber ein weiterer Beweis für das findige Vernetzungsvermögen dieses Jugendarbeiters.

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