Zwei Jahrzehnte Mädona, Treff für Mädchen und junge Frauen



Längst hat es sich zu einem zweiten Daheim für viele Girls entwickelt, das Mädona, einziger Treff für Mädchen und junge Frauen in Basel. Das Mutterhaus an der Unteren Rebgasse ist inzwischen zu einem grosszügig ausgestatteten Jugendzentrum geworden, in den letzten Jahren hat das Team sogar expandiert, ins Gundeli. Doch die Anfänge waren bescheiden.


Von Christian Platz


Alt und neu: Auf den Fotos sind das erste und das heutige Domizil des Mädona zu sehen, angefangen hat die Mädchenarbeit von JuAr Basel vor 20 Jahren in einem winzigen Laden an der Müllheimerstrasse 87, der bei Vollbelegung jeweils aus allen Nähten platzte. Lange haben das Team des Angebots und unsere Organisation nach einem grösseren Ersatz gesucht, viele Räume wurden ins Auge gefasst, manchmal standen wir ganz nahe vor Vertragsabschluss – und dann hat sich die Hoffnung wieder zerschlagen. Für das engagierte Team um Monika Walti, das in der kleinen Raumhülle hervorragende Mächenarbeit machte – sie waren auf ihrem Feld echte Pionierinnen –, gestaltete sich dieser Suchprozess zermürbend und frustrierend. Einmal hätten sie beinahe in die Kaserne einziehen können, es wurde sogar ein komplexer, zeit- und nervenraubender – Planungsprozess durchgeführt, aber auch diese Hoffnung zerschlug sich. Dann kam die Phase, in der es so aussah, als würde sich in dieser Sache nichts mehr bewegen, Stillstand und Frustration machten sich breit, Monika verliess leider unsere Organisation. Damals stellte sich tatsächlich die Frage, ob das wichtige Angebot, das für viele Mädchen und junge Frauen bereits zu diesem Zeitpunkt die Welt bedeutete, das ihnen Selbstbewusstsein und ein Heimatgefühl vermittelte, mit einem Team, das ihnen in schwierigen Zeiten mit Rat und Tat zur Seite stand, überhaupt noch eine Überlebenschance hat…


Dann kam die Wende…


Keine grosse Gegenliebe


Doch zuerst möchten wir uns noch eine Zwischenbemerkung erlauben. Es war alles andere als einfach, unser Angebot für Mädchen und junge Frauen zu etablieren, obwohl die Zeit dafür im Gründungsjahr – weiss Gott – schon überreif war. Schon damals war das Bedürfnis der Girls nach einem eigenen Raum gegeben, einem eigenen Jugendzentrum, in dem sie mal ohne Jungs rumhängen, sich über ihre Erfahrungen, ihre Sorgen und Nöte austauschen können, sich Rat (und Tat) holen können. Interessanterweise stiess das Projekt schon in seiner Anfangsphase auf allerlei Hürden. Bei Ämtern, Fachgremien, ja sogar bei Institutionen, die man eigentlich als feministisch klassifizieren würde, kam es nie so richtig an. Natürlich stiess es auch bei der – damals sehr männerdominierten – politisch konservativen Seite nicht auf grosse Gegenliebe – «warum nur für Mädchen?», wurde damals oft gefragt – «Dann muss es unbedingt auch einen nur für Jungs geben», wurde dann meistens gesagt. Und wenn ihnen gar nichts mehr eingefallen ist: «Ihr wollt die Mädchen zu linken Feministinnen erziehen». Dabei wurde ein Angebot mit politischem Ballast beschwert, das in Wirklichkeit sehr pragmatisch konzipiert war. Natürlich wissen alle Jugendarbeitenden, dass Jungs im Jugi die Stimmung oft dominieren, dass Mädchenthemen, Mädchensorgen in diesem Rahmen vor allem in den damaligen Zeiten selten zum Tragen kamen, dass die Wünsche und Vorstellungen der Girls in einem gemischten Treff eher seltener zur Sprache kommen. Gleichzeitig war der Wunsch der Mädchen bekannt, eigene Räume zu haben, in denen sie chillen, feiern und ihre Anliegen besprechen können. Auf dieser Grundlage beruht das Erfolgsrezept des Mädona von Anfang an. Im Wesentlichen hat sich dies bis heute nicht geändert. Wenn nicht durchgehend Stiftungen, etwa die CMS oder die Sulger Stiftung, grosszügig eingesprungen wären, wäre dieses Angebot fast nicht finanzierbar.


Untere Rebgasse 27


Die Wende kam in Form eines privaten Angebots. Ein Ladenlokal an der Unteren Rebgasse wurde frei, dem Hausbesitzer war das Mädona sympathisch – und, voilà, die Lösung war da. Von aussen sieht es wie ein kleines Domizil aus, aber der Eindruck täuscht, es gibt da ein geräumiges verstecktes Innenleben, mit Küche, Keller, Kino, Werkstatt, Tanzraum. Damit ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Anfänglich gab es noch kritische Stimmen, das Lokal sei ja quasi in der Rotlichtzone des Claraplatzes, da könne man doch keinen Mädchentreff installieren.

Doch das Team, seit vielen Jahren besteht es aus Carmen Büche und Angi Halbeisen-Orlando, etablierte das Angebot in Windeseile. Bald schon fanden Besucherinnen aus der ganzen Stadt hierher. Das Mädona war so erfolgreich, dass es in den letzten Jahren sogar ins Gundeli expandieren konnte. Zwanzig Jahre lang haben die Teams dieses Jugendzentrums erfolgreich gewirkt, Zwanzig Jahre lang haben sie bewiesen, dass es ein spezielles Angebot für Mädchen wirklich braucht, Zwanzig Jahre, ein Geburtstag, den wir gebührend zu feiern gedenken, so wie es die Pandemie-Situation erlaubt. Im nächsten gedruckten JuAr Basel Magazin, es erscheint im kommenden Herbst, wird es eine grosse Reportage über das Haus Mädona und seine Geschichte geben.

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